Übergänge im Lebenslauf: Wie Kommunen Bildungswege transparenter, gerechter und abgestimmter gestalten können
Ob Kita-Eintritt, Schulformwechsel oder Berufseinstieg: An den Übergängen im Lebenslauf entscheidet sich oft, ob Teilhabe und Bildungserfolg gelingen. Unser diesjähriges Dialogforum beleuchtet diese entscheidenden Phasen aus kommunaler Perspektive und stellt die Fragen: Wie können kommunale Akteure Übergänge im Lebenslauf so gestalten, dass sie an den Lebenslagen der Menschen ansetzen, Teilhabe ermöglichen und Bildungswege wirksam unterstützen? Und welche Rolle nimmt dabei ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement (DKBM) ein?
Programm
9:30 Uhr | Ankommen
10:00 Uhr | Begrüßung und Einführung in den Tag •Großer Saal
mit Julia Klausing (Regionale Entwicklungsagentur Hessen, involas), Dr. Elisabeth Aram (involas) und Chloé Frenzel (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
10:30 Uhr | Impuls
Übergänge im Lebenslauf: soziale Ungleichheiten, Institutionen und biografische Bezüge •Großer Saal
11:15 Uhr | Was erwartet uns in den Sessions? •Großer Saal
11:30 Uhr | Kaffeepause
11:50 Uhr | Parallele Sessions
- Session 1: Von Anfang an gerecht(er): Übergänge in der frühen Bildung als Schlüssel für gute Bildungswege •Seminarraum 3
- Session 2: Synergien stärken: Kommunale Handlungsmöglichkeiten im Übergang Schule–Beruf •Großer Saal
- Session 3: Sprung ins kalte Wasser? Von der Primar- in die Sekundarstufe •Seminarraum 4
13:00 Uhr | Mittagspause
14:00 Uhr | Über den Tellerrand: Neue Ideen für gute Übergänge
14:30 Uhr | Parallele Sessions
- Session 4: Übergänge im (offenen) Ganztag: Kindorientierung als Steuerungsaufgabe •Seminarraum 3
- Session 5: Von der Einbahnstraße zur Bildungsroute: Mit Bildungsberatung und kommunalen Angeboten Übergänge gestalten •Großer Saal
- Session 6: Weiterbildung als Brücke: Wie Bildung Übergänge im Erwerbsleben unterstützt •Seminarraum 4
15:40 Uhr | Abschluss und Ausblick •Großer Saal
16:00 Uhr | Abschiedscafé
Moderation: Thomas Verlage, Julian Santner (Regionale Entwicklungsagentur Hessen, involas)
Beschreibung der Sessions
Impuls: Übergänge im Lebenslauf: soziale Ungleichheiten, Institutionen und biografische Bezüge
Prof. Dr. Andreas Walther (Goethe-Universität Frankfurt)
- Großer Saal
Übergänge im Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen sind mehr als Wechsel zwischen Bildungsinstitutionen: In ihnen verbinden sich individuelle Erfahrungen mit sozialen Ungleichheiten, institutioneller Steuerung und gesellschaftlichen Vorstellungen davon, was als „normal“ gilt. Wie entstehen Übergänge im Lebenslauf? Welche Rolle spielen dabei biografische Bezugnahmen, kulturelle Diskurse und professionelle Akteure? Der Impulsvortrag lädt dazu ein, Übergänge aus dieser Perspektive zu betrachten und kommunale Gestaltungsmöglichkeiten zu reflektieren.
Session 1: Von Anfang an gerecht(er): Übergänge in der frühen Bildung als Schlüssel für gute Bildungswege
Monika König (Fachstelle Übergang Kita–Grundschule, Landeshauptstadt Wiesbaden), Ulrike Steinmann (Staatliches Schulamt für den Rheingau-Taunus-Kreis und die Landes-hauptstadt Wiesbaden), Stefanie Politsch (Netzwerk “Frühe Hilfen”, Wetteraukreis)
- Seminarraum 3
Bildungsungleichheiten entstehen nicht erst in der Schule: Unterschiede aufgrund der sozialen Herkunft und familiärer Ressourcen zeigen sich bereits im frühen Kindesalter und können sich bis zum Schuleintritt verstärken. Besonders die Teilhabe an früher Bildung kann eine ausgleichende Wirkung auf ungleiche Startchancen haben. Die Session widmet sich der Bedeutung der Bildungsübergänge in dieser Lebensphase sowie zentralen kommunalen Handlungsoptionen.
Entlang kurzer Impulse wird zunächst darauf geschaut, welche ungleichheitsrelevanten Faktoren beim Übergang in Krippe und Kita sowie beim Schulstart wirken und welche Empfehlungen sich daraus für die Praxis ergeben. Anschließend stehen kommunale Handlungsansätze im Mittelpunkt: institutionenübergreifende Kooperation, transparente und niedrigschwellige Zugänge, aufsuchende Ansprache und Einbindung von Familien sowie sozialraumorientierte Steuerung. Welche Ansätze greifen auf kommunaler Ebene? Was braucht es für dauerhaftes Gelingen? Und welche Ideen lassen sich auf die eigene Arbeit übertragen? Einblicke in die Arbeit der Landeshauptstadt Wiesbaden und des Landkreises Darmstadt-Dieburg regen den gemeinsamen kollegialen Austausch an.
Session 2: Synergien stärken: Kommunale Handlungsmöglichkeiten im Übergang Schule–Beruf
Dr. Sabine Beck (Hessenweite OloV-Koordination, involas), Dr. Ilona Agoston (Bildungsmanagement, Odenwaldkreis), Anja Mühlhäuser (Regionale OloV-Koordination, Odenwaldkreis)
- Großer Saal
Der Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf ist eine zentrale Weichenstellung für Bildungsbiografien, Teilhabe und die Fachkräftesicherung. Wie können Kommunen dazu beitragen, dass junge Menschen beim Berufseinstieg passende Unterstützung und Orientierung vor Ort finden? Und welche Synergien entstehen, wenn regional verantwortliche Schlüsselpersonen von OloV (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule–Beruf) und kommunales Bildungsmanagement zusammenwirken?
In einem moderierten Austausch werden konkrete kommunale Handlungsmöglichkeiten diskutiert: bessere Datenzugänge, mehr Transparenz über Angebote sowie Kooperationen zwischen Schulen, Wirtschaft, Arbeitsverwaltung und Jugend(berufs)hilfe. Vertreter*innen der hessischen OloV-Strategie und des Odenwaldkreises geben Einblicke in die Praxis. Gemeinsam erörtern die Teilnehmenden Erfolgsfaktoren und entwickeln Impulse für eine abgestimmte kommunale Bildungslandschaft.
Session 3: Sprung ins kalte Wasser? Von der Primar- in die Sekundarstufe
Barbara Winzer-Kluge (Koordination schulischer Netzwerke i. A. des Regionalen Bildungsbüros Dortmund)
- Seminarraum 4
Der Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe ist für die Schüler*innen ein prägendes Ereignis, denn der Wechsel der Schulform geht mit neuen Leistungsanforderungen, Peer-Groups und einer anderen Schulkultur einher. Um diesen Übergang erfolgreich zu gestalten, ist eine systematische Zusammenarbeit der am Übergang beteiligten Akteure zentral. Koordinierungsstellen wie beispielsweise Bildungsbüros können die dafür notwendigen Strukturen wesentlich unterstützen.
In der Session wird zunächst auf die Besonderheiten des Übergangs und die Handlungsfelder für das kommunale Bildungsmanagement eingegangen. Aus der Praxis berichtet Barbara Winzer-Kluge, wie schulische Netzwerke gegründet und langfristig begleitet werden können. Als ehemalige Schulleiterin einer Förderschule koordiniert sie in Dortmund Netzwerke von 20 Schulen unterschiedlicher Schulformen.
Session 4: Übergänge im (offenen) Ganztag: Kindorientierung als Steuerungsaufgabe
Dr. Pia Rother (Hochschule RheinMain), Melanie Wolf (Koordination Ganztag, Rheingau-Taunus-Kreis)
- Seminarraum 3
Der Ganztag wird von Erwachsenen geplant und von Kindern erlebt. Ein wissenschaftlicher Impuls von Dr. Pia Rother beleuchtet, was Kinder im Ganztag brauchen – etwa Zeit, Rückzug, Mitbestimmung und verlässliche Beziehungen – und thematisiert die verbreitete Erwachsenenzentrierung. Ergänzend gibt eine hessische Kommune Einblick in die kommunale Koordinierung des Ganztagsausbaus – von Kooperationsverträgen bis hin zum Rahmenkonzept für den Rechtsanspruch. Im anschließenden moderierten Gespräch werden beide Perspektiven zusammengeführt: Wie kann die Kinderperspektive in der kommunalen Planung sichtbar gemacht, berücksichtigt und verbindlich im strategischen Vorgehen von Schule, Kinder- und Jugendhilfe sowie in weiteren Kooperationen verankert werden?
Session 5: Von der Einbahnstraße zur Bildungsroute: Mit Bildungsberatung und kommunalen Angeboten Übergänge gestalten
Prof. Dr. Simone C. Ehmig (Freie Universität Berlin), Katja Schöne & Fabian Hellmold (Bildungsmanagement und -planung, Stadt Kassel), Martin Rode (vhs Region Kassel), Omar Dergui (Hessencampus Kassel)
- Großer Saal
Menschen mit geringen formalen Qualifikationen finden bislang häufig nur eingeschränkt Zugang zu Bildungs- und Beratungsangeboten. Dabei handelt es sich keineswegs um eine einheitliche Gruppe: Ihre Lebenslagen, Bildungsbiografien und Unterstützungsbedarfe unterscheiden sich deutlich. Die Session fragt deshalb, wer zu dieser Zielgruppe gehört, an welchen Orten und über welche Zugänge sie erreicht werden kann und welche Beratungsformen und Angebote hilfreich sind, um Bildungswege zu eröffnen und berufliche Perspektiven zu stärken.
In kurzen Impulsen werden die Zielgruppe und ihre Bildungsbeteiligung, Erfahrungen aus der aufsuchenden und zielgruppenspezifischen Beratung sowie die Rolle des kommunalen Bildungsmanagements beleuchtet. Im Mittelpunkt der anschließenden offenen Diskussion steht die Frage, wie Kommunen, Beratungsstellen, Bildungsträger und weitere lokale Akteure besser zusammenwirken können, damit Bildungsangebote bei den Menschen ankommen, für die sie gebraucht werden.
Session 6: Weiterbildung als Brücke: Wie Bildung Übergänge im Erwerbsleben unterstützt
Jonas Fey (Fachstelle „Fachkräftesicherung / Bildung im Strukturwandel“, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung), Tanja Malko (Bildungskoordination, Kreis Bergstraße)
- Seminarraum 4
Übergänge im Lebenslauf enden nicht mit dem Einstieg in Ausbildung und Beruf. Auch für Menschen, die bereits im Berufsleben stehen oder standen, kann Weiterbildung entscheidend sein, um berufliche Wege fortzusetzen, sich neu zu orientieren oder wieder in Beschäftigung zu gelangen. Kann Weiterbildung helfen, Arbeitslosigkeit zu beenden oder zu verhindern? Welche Rahmenbedingungen unterstützen Menschen in unterschiedlichen Phasen ihres Erwerbslebens?
Jonas Fey gibt einen empirisch fundierten Einblick in die Weiterbildungsforschung. Anschließend wird Tanja Malko den Bildungspunkt im Kreis Bergstraße, eine Anlaufstelle für Beratung, Orientierung und Informationen zu beruflicher Weiterbildung und Fördermöglichkeiten, vorstellen. Gemeinsam wird diskutiert, wie kommunale Bildungslandschaften und DKBM solche Übergänge unterstützen können.
